Bleiben Sie aufmerksam
- 1. Juni
- 3 Min. Lesezeit
Depressionen entwickeln sich schleichend, äußern sich bei jedem Menschen unterschiedlich und können in verschiedenen Schweregraden auftreten. Grundsätzlich erkennen Sie eine Depression daran, dass Ihr Mitarbeiter
• immer weniger Interesse an Arbeit und Aufgaben zeigt,
• zunehmend bedrückt wirkt,
• antriebslos ist,
• Arbeitspensum und Arbeitsalltag nicht mehr bewältigen kann.
Das wird Ihnen besonders dann auffallen, wenn der Mitarbeiter für gewöhnlich eher fröhlich und aktiv war, wenn er bisher Freude an seinen Aufgaben hatte und voll motiviert gearbeitet hat. Zeigt er sich plötzlich von einer ganz anderen Seite, sollten Sie genauer hinschauen. Denn eine Depression beeinträchtigt langfristig Stimmung, Arbeitsweise und Persönlichkeit.
Achtung: Eine Trauerphase oder Niedergeschlagenheit, die auf ein ein schneidendes Lebensereignis zurückzuführen ist, ist nicht gleich eine Depression. Ist ein Angehöriger verstorben oder durchlebt Ihr Mitarbeiter derzeit eine Trennung von Lebenspartner, braucht er Ihren Rückhalt allerdings auch.
Achten Sie auf Wesensveränderungen
Depressionen zu erkennen, ist nicht immer einfach. Manche Menschen mit Depressionen neigen dazu, nach außen hin auffällig gut gelaunt zu wirken („Himmelhoch jauchzend, zumTode betrübt“ Johann Wolfgang von Goethes Trauerspiel Egmont (1788)). Werden Sie deshalb aufmerksam, wenn einer Ihrer Mitarbeiter plötzlich eine auffällige Gemütsveränderung an den Tag legt. Auch hier gilt: Als gute Führungskraft führen Sie regelmäßig Gespräche mit Ihren Mitarbeitern. Dabei muss es nicht immer um Arbeitsthemen gehen. Fragen Sie nach der Familie, Partner oder Partnerin, nach den Hobbys oder den Plänen für das kommende Wochenende. Eine Depression kann den Betroffenen so stark beeinträchtigen, dass er sich außerstande fühlt, morgens aufzustehen und sich zurechtzumachen oder auch nur zu laufen – obwohl seine Körperfunktionen intakt sind. Auf der mentalen Ebene funktionieren diese Routinen jedoch nicht mehr. Es hilft daher auch nicht, die Person aufzufordern: „Denk einfach an etwas Schönes“ oder „Geh mal raus an die frische Luft“. Zum einen löst das die destruktive Gedankenspirale nicht auf, in welcher der Depressive gefangen ist. Zum anderen ist es effektiver, konkreter zu werden.
Werden Sie konkret
„Erinnerst du dich noch an das Projekt, an dem wir fast verzweifelt wären. Durch deine Idee konnten wir das Ruder noch herumreißen.“ Das motiviert, baut auf und durchbricht die negativen Assoziationen zumindest für einen Augenblick. Statt den Mitarbeiter nur aufzufordern, an die frische Luft zu gehen, sollten Sie Ihren Mitarbeiter dorthin begleiten. „Komm, wir gehen eine Runde um den See. Hier ist deine Jacke. Die Strecke dauert nur 10 Minuten. Aber so kommen wir beide kurz vor die Tür.“ Das funktioniert natürlich nur dann, wenn Sie ein wirklich gutes Vertrauensverhältnis zu Ihrem Mitarbeiter haben, sich vielleicht sogar privat kennen. Akzeptieren Sie die Depression als Krankheit.
So können sich Depressionen äußern:
• mangelnde Bereitschaft, an Unternehmungen teilzunehmen
• allgemeines Desinteresse
• Traurigkeit, Niedergeschlagenheit
• Unordnung oder gar Chaos am Arbeitsplatz
• Unordnung oder gar Chaos zu Hause
• ungepflegtes Erscheinungsbild
• dreckige und knittrige Kleidung
• ständige Müdigkeit
• Schlafstörungen
• Appetitlosigkeit
• Lust- und Antriebslosigkeit
• fortwährendes Sich-Sorgen-machen
• fehlende Kommunikationsbereitschaft
• Antworten nur in kurzen, knappen Sätzen
• ein für das Alter und den angeblich guten Gesundheitszustand untypisches Verhalten
• Angstgefühle, Panikattacken
• innere Unruhe, Nervosität
• häufige Kopfschmerzen und/oder Verdauungsprobleme
Beachten Sie: Depressionen können sich von Mensch zu Mensch unterschiedlich äußern. Nicht alle Anzeichen sind für Sie als Führungskraft erkennbar, erst recht nicht, wenn Ihr Mitarbeiter auf der Arbeit bemüht ist, sich nichts anmerken zu lassen.
Psychische Krankheiten sind anfangs schwer zu erkennen
Entwickelt ein Mitarbeiter eine psychische Krankheit, tritt zunächst ein einzelnes Symptom isoliert auf. Mit der Zeit verstärkt sich das Symptom und es kommen weitere Symptome hinzu. Es ist wahrscheinlich, dass diese Symptome am Arbeitsplatz noch gar nicht auffallen, sondern erst dann zu erkennen sind, wenn mehrere Symptome stark ausgeprägt sind. Je stärker die Symptome, desto häufiger meldet sich Ihr Mitarbeiter beispielsweise krank, isoliert sich von Ihnen und seinen Kollegen und wird merklich unzuverlässiger.
(Quelle: © VNR AG)
Was tun?
Sprechen Sie offen mit Ihrem Mitarbeiter
Fordern Sie den Mitarbeiter auf, sich Hilfe zu holen, verweisen Sie ihn an seinen Hausarzt, der dann die weiteren Schritte einleiten wird.
Rechnen Sie mit längeren Krankheit- und Ausfallzeitenzeiten
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