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So gehen Sie mit unfairer Kritik um

  • 1. Juni
  • 3 Min. Lesezeit

Bei unfairer Kritik werden Ihre Irrtümer, Schwächen und Fehler vor Zeugen gnadenlos ans Licht gezerrt oder Ihnen höhnisch vorgehalten. Wer unfair kritisiert, stellt Sie vor Dritten bloß, greift Sie persönlich an, vergreift sich in Wortwahl und Tonfall. Dabei geht es nicht nur um das Sachthema, sondern auch um Sie. Sie persönlich sollen klein gemacht, blamiert, provoziert oder verunsichert werden. Auch unfaire Kritik kann in der Sache berechtigt oder unberechtigt sein. Ist sie unberechtigt, empört es Sie, so ungerecht „zur Schnecke gemacht“ zu werden. Ist sie in der Sache berechtigt, beschämt es Sie, tatsächlich et was „verbockt“ zu haben.

Unfaire Kritik ist nicht immer böse gemeint. Manchmal liegt es gar nicht in der Absicht des unfair Kritisierenden, Sie zu verletzen. Versuchen Sie daher, die Gründe für „rhetorische Tiefschläge“ zu erkennen, um sich weniger verletzt zu fühlen.

 

Unfair unter Stress

Ihr Chef oder Kollege steht selbst unter Druck durch Vorgesetzte oder weiß vor Arbeit nicht mehr ein noch aus. Während er völlig unter Adrenalin steht, kommen Sie ihm irgendwie in die Quere und schon lässt er Dampf ab.

 

Unfair aufgrund des Temperaments

Es gibt cholerische Menschen, die schnell „ausrasten“. Wenn sie gerade einen „Anfall“ haben, vergreifen sie sich auch bei kleinen Fehlern anderer in Wortwahl, Tonfall und Lautstärke.

Unfair mit Rechthaberei

Einige Menschen sind zwar in ihrem Fachgebiet wahre Experten, jedoch fehlt es ihnen an sozialer Intelligenz und Kompetenz. Gnadenlos kritisieren sie sogar den eigenen Chef wegen eines fachlichen Fehlers oder weisen Kunden zurecht. Ihr Motto: „Was ich sage, stimmt.“ Versuchen Sie erst gar nicht, solche extrem fachorientierten Experten zu ändern. Meiden Sie Situationen, in denen der Rechthaber Sie vor Dritten bloßstellen könnte. Nehmen Sie ihn nicht mehr mit zu Besprechungen mit Management oder Kunden.

 

Unfair aus Taktik

Der Unfaire kritisiert Sie vorsätzlich vor Zeugen, um sein überlegenes Wissen und Können zur Schau zu stellen oder Ihnen zu schaden. Eventuell kritisiert der Unfaire Sie bewusst, um Sie zu provozieren. Wenn Ihnen vor Ärger „die Galle überläuft“ oder „das Wort im Halse stecken bleibt“, hat er Ihre mangelnde Souveränität vorgeführt. Hier steckt böser Wille hinter der unfairen Kritik.

Unfair aus Gedankenlosigkeit

Manche Menschen sind zu egozentrisch oder zu schlecht erzogen, sich über Gefühle anderer Gedanken zu machen. Sie plappern ihre Meinung heraus, in falschem Ton, mit den falschen Worten und zu unpassenden Gelegenheiten. Diesen Menschen sollten Sie sagen, wie die Kritik bei Ihnen ankommt. Vermutlich fällt der Kritisierende aus allen Wolken: „Das war doch nicht böse gemeint!“ Er wird sich zunehmend darum bemühen, vor dem Sprechen erst einmal zu denken.

 

Unfair aus persönlicher Abneigung

Unfaire Kritik kann ihre Ursache in persönlicher Abneigung haben. Der Unfaire mag Sie nicht und sucht deshalb gezielt bei Ihnen nach Fehlern und Schwächen, um diese möglichst vor Zeugen ans Licht zu zerren. Dass er Sie nicht mag, muss nicht einmal an Ihnen liegen. Vielleicht erinnern Sie ihn an irgendjemanden oder er ist aus irgendwelchen Gründen auf Sie neidisch. Es bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als über das Kräfteverhältnis zwischen Ihnen beiden nachzudenken. Wenn der andere Sie nicht mag, können Sie kaum etwas daran ändern.

 

So sind Sie gegen jeden unfairen Hieb gewappnet:

 

•         Strategie Tiefschläge ignorieren: Verbale Ausfälle von Cholerikern sollten Sie einfach ignorieren. Im Stress können jedem einmal „die Pferde durchgehen“. Zeugen des Vorfalls sehen, wer sich dabei ins Unrecht gesetzt hat – Sie nicht!

•         Strategie beredtes Schweigen: Sie kommentieren den Stil der Kritik nicht. Sie schauen jedoch dem Unfairen kurz tief in die Augen. Dann gehen Sie auf den sachlichen Inhalt ein.

•         Strategie Hinterfragen: Sie hinterfragen zuerst den Stil der Kritik: „Warum greifen Sie mich so an?“ Entscheidend ist, dass Sie sich nicht empört gegen den unfairen Stil verweilen, sondern eine Frage stellen und scheinbar auf die Antwort warten.

•         Strategie humorvoll gewinnt: Sie lächeln den Unfairen an und sagen mit nettem Ton: „Welche Laus ist Ihnen denn über die Leber gelaufen?“ Strahlen Sie humorvoll eine nachsichtige Gutmütigkeit aus.

•         Strategie Verschieben: Sie gehen weder auf den Stil noch auf den Inhalt der Kritik ein. Sie sagen stattdessen zum Beispiel: „Das kommt mir jetzt etwas heftig vor. Lassen Sie uns das später in Ruhe besprechen.“ Wehren Sie entschieden jeden Versuch ab, Sie jetzt doch noch ins Gespräch zu ziehen.

•         Strategie Rückzug: Sie verlassen schweigend den Ort des Geschehens. Sie geben nicht zu erkennen, ob Sie verletzt sind, aus Angst flüchten oder ganz einfach von dem Stil angewidert sind.

Versuchen Sie nicht, den Unfairen zu erziehen. Ihr Ziel als Führungskraft ist es, dass der Unfaire Ihnen gegenüber in Zukunft mehr Respekt zeigt. Diskussionen sind da überflüssig.

 

Fazit: Unfaire Kritik kann unangenehm sein, aber Sie muss sie nicht aus der Fassung bringen. Entscheidend ist, dass Sie die Gründe hinter der unsachlichen Kritik erkennen und souverän darauf reagieren. Durchschauen Sie die Absicht des Kritikers, können Sie sich emotional distanzieren.

 

(Quelle: © VNR AG)

 

 
 
 

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